Wir nehmen traurig Abschied von Harald Wellenreiter

Harald Wellenreiter hat von 1984 bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2018 die Arbeit des Autismus-Therapieinstituts Langen wesentlich mitgeprägt: In den 80er-Jahren war Autismus noch relativ unbekannt und galt als sehr seltene Behinderung. Harald Wellenreiter gehörte zu dieser Zeit zu einem kleinen Team von PädagogInnen und PsychologInnen im Autismus-Therapieinstitut Langen, das wiederum zu einem der ältesten Therapiezentren in Deutschland zählt.

Es galt in dieser Zeit, Pionierarbeit zu leisten, sowohl in Bezug auf das Verständnis von Autismus als auch in Bezug auf Therapieansätze, die Bedürfnisse von KlientInnen nach Autonomie, Gesehen-Werden und körperlich-seelischer Unversehrtheit Rechnung tragen. Harald Wellenreiter hat nicht nur durch seine Arbeit mit KlientInnen, sondern insbesondere auch durch seine Zusammenarbeit und vielfältige Vernetzung mit anderen Einrichtungen und zahlreichen Öffentlichkeitsveranstaltungen dazu beigetragen. Es war ihm wichtig, dass sich das Verständnis von Autismus von einer „Verhaltensstörung“ hin zum Verstehen autistischer Verhaltensweisen als Ausdruck autonomer Bewältigung im Kontext von Schwierigkeiten in der Wahrnehmung und der sozialen Bezugnahme wandelte und in vielen Einrichtungen Verbreitung fand. „Die Autismus-Brille aufsetzen“ war sein handlungsleitendes Motto, die es ermöglichen sollte, pädagogische Handlungskonzepte zu erarbeiten. Es war ihm wichtig, dass im Umfeld seiner KlientInnen barriereärmere Lebensbedingungen für Menschen mit Autismus hergestellt werden können.

Harald Wellenreiter hat darüber hinaus als Leitungskollege die Weiterentwicklung des Autismus-Therapieinstituts Langen, insbesondere den Weg zu klienten- und familiennahen Angeboten wesentlich vorangebracht. Hier war er vielfach ein Visionär: So wurden seit 2003 neben der Hauptstelle in Langen acht weitere Regionalstellen in Süd- und Mittelhessen aufgebaut. Auch das Angebot des ambulant betreuten Wohnens für Menschen mit hochfunktionalem Autismus hat er initiiert und fachlich-konzeptionell begleitet. Als Coach hat er viele neue KollegInnen und Kollegen bei ihrer Weiterentwicklung als AutismustherapeutInnen begleitet und wesentlich zu Qualitätssicherung unserer Arbeit beigetragen.

Harald Wellenreiter hinterlässt auf Dauer viele Spuren, als Kollege, Wegbegleiter, Freund und als Mensch.